Mit Handwerk und Handel als Partner wird das neue Badezimmer zum ultimativen Wohlfühlort.

Es gibt viel zu tun! – Haustechnik-Profi Jürgen Riehl im Interview

Seit über 25 Jahren führt Jürgen Riehl, staatlich geprüfter Techniker und Meister für Heizungsbau & Lüftung, seinen alteingesessenen Heizungs- & Sanitär-Betrieb, Riehl Haustechnik, in Taunusstein. Nie zuvor sah er sich selbst, seine Branche und die ganze Gesellschaft solch großen Veränderungen gegenüber. Wir sprachen mit
ihm über Chancen und Herausforderungen des Wandels.

Die letzten 2 Jahre hielten uns alle in Atem. Welche Auswirkungen der Pandemie konnten Sie in Ihrem Handwerksbetrieb wahrnehmen?

Glücklicherweise hat unsere Branche durch die Corona-Pandemie bisher noch keine Einbußen in puncto Auftragseingang hinnehmen müssen. Im Gegenteil, die Menschen investierten sogar verstärkt in ihre eigenen vier Wände. Der Wille, seine Immobilie zukunftssicher aufzustellen, und die staatlichen Förderprogramme sorgten für einen ordentlichen Sanierungsschub bei den Heizungen. Auch das Badezimmer rückte als Wohlfühlort wieder stärker in den Fokus. Was uns jedoch überrascht hat, waren die schnell zunehmende Digitalisierung und die extremen Preisanstiege.

 

Bleiben wir zuerst bei den erfreulichen Trends. Welche Haustechnik- und Sanitärprojekte gingen Ihre Kunden verstärkt an?

Ganz klar erkennbar ist natürlich die Bewegung weg von den fossilen Energieträgern Öl und Gas. Viele Kunden wollen möglichst autark und unabhängig davon werden. Moderne Wärmepumpen und Brennstoffzellen verbauen wir daher nicht nur in Neubauten, sondern verstärkt auch im Bestand. Auch Solarthermie und Photovoltaik-Lösungen sind sehr gefragt. Die eigene Stromerzeugung wird dann gerne mit dem Akku des E-Autos gekoppelt. Die Badezimmer werden zunehmend größer und von der Nasszelle zum Wohlfühlraum ausgebaut. Durchschnittlich zwei Badsanierungen nimmt ein Kunde in seinem Leben vor, und heutzutage entwickelt sich das Bad zum elementaren Lieblingsort. Dementsprechend hoch ist die Investitionsbereitschaft. Neben der ebenerdigen Dusche, großen Fliesen, einer stimmungsvollen Beleuchtung und smarten Technik-Features sind vor allem die modernen Dusch-WCs mit hohem Komfort und spülrandlosem Design beliebt.

Konnten Sie trotz Kontakteinschränkungen und Corona-Auflagen Ihre Projekte problemlos umsetzen?

Zu Beginn herrschte noch etwas mehr Unsicherheit bei unseren Kunden, die Badausstellungen und Großhandelsbetriebe waren teilweise komplett geschlossen. Mittlerweile hat sich jedoch der neue Alltag bewährt. Wir vereinbaren individuelle Kundentermine online, unter den gegebenen Hygienemaßnahmen bei uns oder mit unseren Partnern in der Badausstellung. Die Kunden nehmen dies gerne an. Das haptische Erlebnis und das direkte Anfassen, gerade bei den Badezimmerobjekten, sind eben einfach wichtig für die Kundenzufriedenheit.

Wie läuft solch ein Projekt typischerweise ab? Wie arbeiten Sie mit dem Großhandel zusammen?

Am Anfang steht immer ein erstes Gespräch mit dem Kunden. Vor Ort machen wir uns ein Bild von Bad oder Heizung und besprechen, was gewünscht ist und was möglich ist. Geht es um ein Badezimmer, besuchen wir gemeinsam mit dem Kunden die örtliche Badausstellung. Hier sitzen kompetente Badplaner und der Kunde kann sich die Badobjekte live auswählen. Aus unseren technischen Vorgaben und der sauber visualisierten Badplanung entsteht dann das konkrete Projektangebot. Wir koordinieren dann die Umsetzung und managen die Baustelle mit allen Partnergewerken wie Maler, Fliesenleger oder Elektriker. Geht es um eine neue Heizung, ist meist eine komplexere Vorplanung nötig. Das Gebäude muss genau analysiert werden, was bei Bestandsgebäuden oft schwierig ist. Alte Baupläne werden begutachtet, Räume vermessen und Heizkörper optimal dimensioniert, um eine saubere Zukunftslösung zu finden. Hier hilft uns der Großhandel mit den Berechnungen und der dort sitzende Fachplaner bewertet dann auch, ob und wie die neue Heizung staatlich gefördert werden kann. Diese notwendige Vorplanung ist absolut erfolgsentscheidend, das unterschätzt der Kunde gerne.

Wie beeinflusst das Thema Digitalisierung Ihr Geschäft?

Seit fast zwei Jahren läuft bei uns die Verwaltung nahezu papierlos. Das Rechnungswesen über unser Steuerbüro läuft digital, Rechnungen und Angebote versenden wir per Mail und auch die Baustellenberichte unserer Mitarbeiter digital zu erfassen, ist in der Vorbereitung. Das spart natürlich enorm Zeit und Ressourcen. Unser neuer Serverraum mit Firewall bietet zudem mehr Sicherheit für unsere Daten und wir haben stets alles Wichtige auf Knopfdruck im Blick.

Und wie nehmen Sie das allgegenwärtige Fokusthema Nachhaltigkeit in Angriff?

Dank der besseren, digitalen Organisation im Office sparen wir nicht nur Papier und Zeit, sondern auch Fahrwege. So können wir z. B. je nach Kundenwunsch eine Fernüberwachung der neuen Heizungsanlage übernehmen. Das heißt, bei einer Störung der Heizungsanlage bekommen wir diese auf unseren digitalen Endgeräten angezeigt und können somit schnell den entstandenen Fehler analysieren. Wir haben dann beim Eintreffen bei unserem Kunden das entsprechende Ersatzteil schon dabei. Das spart nicht nur Zeit und Fahrwege, sondern auch zusätzliche Kosten für den Kunden und schont die Umwelt. Zudem setzen wir auf hochwertige und langlebige Arbeitsmaterialien und Bauteile. DITECH ist da ein perfekter Partner mit seinen geprüften Produkten, die garantierte Qualität liefern.

 

Überall hört man vom immer größer werdenden Problem des Fachkräftemangels.

Was sind Ihre Erfahrungen hierzu?

 

Das ist wirklich auch für uns ein sehr präsentes Problem. Dabei gibt es gleich mehrere Schwierigkeiten. Dass unser Beruf höchst spannend ist und erstklassige Entwicklungsmöglichkeiten bietet, ist zuerst einfach nicht bekannt genug. Auch die Verdienstmöglichkeiten sind absolut anständig und die Zukunftsaussichten sowieso, eigentlich also perfekte Voraussetzungen. Allerdings ist unser Job eben auch fachlich ziemlich anspruchsvoll, und das wird durch die modernen Haustechnikprodukte nicht einfacher. Unsere Auszubildenden sollten bereits gutes Grundverständnis für Physik und Informatik mitbringen, und das ist leider mit einer durchschnittlichen Schulbildung oft nicht
gegeben. Es wird ohnehin zunehmend schwierig, das eigentlich für unseren Job notwendige Wissen rund um Anlagen- & Regelungstechnik innerhalb der 3,5-jährigen Lehrzeit zu vermitteln. Daher setzen wir verstärkt auf die direkte Kooperation mit unseren Schulen hier vor Ort. So konnten wir über Praktika und den direkten Einblick in unseren Beruf bereits sehr gute Lehrlinge gewinnen. Gerade für den Einbau moderner Heiztechnik oder die Kombination bestehender und neuer Anlagen ist aktuellstes Wissen nötig. Damit haben viele alteingesessene Betriebe zu kämpfen und scheuen vor dem Einbau neuer Technik eher zurück, weil auch die Weiterbildung im vollgepackten Alltag oft zu kurz kommt.

Was sehen Sie aktuell als größte Herausforderung in Ihrer Branche an?

Was uns vor größere Probleme stellt, ist die kaum mehr nachvollziehbare und sprunghafte Preisentwicklung. Sämtliche Rohstoffe und Produkte, die wir beim Kunden verbauen, steigen derzeit im Preis. Das sehe ich als Folge der durch die Pandemie verursachte Rezession. Lieferketten sind durch die Kurzarbeit weltweit eingebrochen und kommen nur schwer wieder in Gang. Das bedeutet für uns etwa, dass wir die in Angeboten abgegebenen Preisversprechen nach wenigen Monaten schon nicht mehr einhalten können. Manche Preise steigen wöchentlich, das macht eine saubere Kalkulation unmöglich. Dazu kommen massive Lieferverzögerungen. Normalerweise bauen wir im Sommer neue Anlagen ein und konzentrieren uns im Herbst und Winter auf Wartungen. Da jedoch die bestellten Anlagen, die üblicherweise innerhalb von 24 – 28 Stunden geliefert wurden, durch Lieferengpässe monatelang auf sich warten ließen, wurde unsere Arbeitsplanung ziemlich durcheinandergeworfen. Zum Glück hatten wir dennoch immer Ausweicharbeiten zu tun.

Was ist Ihre Erwartung an die Politik in Hinblick auf die zukünftigen Herausforderungen?

Der Wandel hat sich von der Landstraße auf die Autobahn verschoben. Vieles geht rasend schnell und Umdenken und flexibles Handeln sind für uns an der Tagesordnung. Ich bin der Meinung, dass der Wandel hin zu einer klimaschonenden Welt nur nachhaltig und friedlich umgesetzt werden kann, wenn man den Bürger nicht an seine Grenzen bringt. Das bedeutet, es muss sozial verträglich ablaufen. Die steigenden Energiepreise und die Inflation sind jetzt schon für viele Menschen nicht mehr zu bewältigen, geschweige denn eine Heizungsmodernisierung, das muss die Politik abfedern. Wenn alles teurer wird, verfallen viele Verbraucher in Verunsicherung und eine Starre, die keine Investitionen mehr zulässt. Ich denke, es wird eine enge Zusammenarbeit zwischen Politik, Industrie und Handwerk notwendig sein, um die geplante Energiewende zu schaffen.