VON DEN BESTEN LERNEN
Die „Häuser des Jahres“

Der Wettbewerb „Häuser des Jahres“ wird seit 2011 vom Deutschen Architekturmuseum und dem Callwey-Verlag ausgelobt. Zum elften Mal kürte eine hochkarätig besetzte Experten-Jury aus 180 eingereichten Projekten die 50 besten Häuser des Jahres 2021 aus dem deutschsprachigen Raum. Dabei liegt der Fokus vor allem auf Nachhaltigkeit, dem innovativen Einsatz von Materialien und dem kreativen Umgang mit der baulichen Situation. Vier besonders spannende Häuser, die uns beeindruckt haben, präsentieren wir hier etwas genauer.

Alu, Holz & Gründach

Aus dem Wunsch nach einem schlichten Eigenheim entwickelte das Wiener Büro Caramel ein besonderes Haus, in das sich die Bauherren schnell verliebten. Das dominante Element ist das üppig begrünte Dach, das sich aus der Landschaft herauszufalten scheint. Die durch den Aushub entnommene Vegetationsschicht wurde so der Landschaft auf dem Dach zurückgegeben. Die Holzkonstruktion der Wände wird durch eine hinterlüftete Alu-Natur-Wellblechfassade verkleidet.


Großflächige Glaselemente trennen den Wohnbereich ebenerdig von außen. Nachhaltig und energieeffizient ist das unbehandelte Alu-Wellblech, ebenso wie das unbehandelte Holz im Innenausbau. Das Herzstück des Hauses ist der teils fünf Meter hohe, ebenerdige Wohnraum, in dem auch gekocht und gegessen wird. Er erschließt den Garten und das Terrassenplateau mit dem Pool ebenso wie das Büro und das Kinderzimmer, den Technik- und den Fitnessraum. Eine offene Treppe führt in den Schlaf- und Ruhebereich im Obergeschoss, ein Einschnitt im Gründach verbindet mit der Dachterrasse. 

Einraum für Zwei – Less is more

Die Architekten Sonja Hohengasser und Jürgen Wirnsberger erschufen ein puristisch-charmantes Einraum-Haus mit minimalem ökologischem Fußabdruck. Ihr 994 m² großes Grundstück am Rande von Spittal an der Drau in Österreich wollte das Bauherren-Ehepaar so wenig wie möglich verändern. So entstand auf dem Bergrücken zwischen Drautal und Millstätter See ohne große Erdbewegungen ein 65 m² großer, „stationärer Wohnwagen“ für die beiden weitgereisten Camper. Der einfache Grundriss und die simple Technik bieten dennoch einen Rückzugsraum mit Lebensqualität und maximaler Wohnlichkeit. Das ausladende Vordach und eine Quer- und Längslüftung verhindern eine sommerliche Überwärmung. Der Garten ist eine Blumenwiese. Wer so wohnt, braucht nicht mehr zu verreisen.

Innen dominiert helles, unbehandeltes Fichtenholz und nach Osten, Süden und Westen der weite Blick durch die bodenebenen Glasfenster. Beheizt wird das Haus mit einem Holzscheitofen im Zentrum des offenen Hauptraumes und über die großzügige Verglasung. Im Norden finden in einer 140 Zentimeter breiten Raum-Schicht Schlaf-Alkoven, Bad, WC und Garderobe Platz. Nur eine Wand im Haus beherbergt sämtliche Installationen, die restlichen Leitungen und Kabel wurden „auf Holz“ verlegt. Bis auf die Fundamente und einige statisch notwendige Verbindungsmittel besteht die gesamte tragende Struktur aus Fichtenholz.

Wohnen unterm Dachgarten

Ein Glücksfall für das Haus Nummer 9 in der Großweidenmühlstraße in Nürnberg war, dass Architekt Jürgen Lehmeier im Erdgeschoss sein „büro für bauform“ bezog. Das Gebäude war in einer Bombennacht 1943 stark beschädigt worden und trug bis 2018 auf dem wiederhergestellten 2. Obergeschoss lediglich ein Notdach. Im Jahr 2019 entwarf und plante Lehmeier eine Rekonstruktion, die zwei neue Wohngeschosse für seine Familie und einen Dachgarten für alle Hausbewohner bringen sollte. Als Highlight entstand ein Dachgarten mit Aussicht, der die ursprüngliche Dachform durch ein Rankgerüst nachzeichnet und ein Zeichen für Klimaschutz, Biodiversität und Gemeinschaft setzt. 

Das Haus wirkt von außen kompakt und innovativ rekonstruiert und bietet innen erstaunlich viel Raum in modernster Gestaltung, wie hier das großzügige Badezimmer. Aus Überzeugung setzte der Architekt auf Stahlleichtbauweise und rezyklierbare Baustoffe: „Im Gegensatz zu vielen anderen Materialien wird Stahl seit jeher recycelt. Die Einbauten können flexibel zukünftigen Bedürfnissen ohne Änderungen der Statik angepasst werden. Alle Materialien sind leicht zu trennen und können zum größten Teil so recycelt werden, dass qualitativ dasselbe Produkt in gleicher Qualität erzeugt werden kann oder dass die Entsorgung wie im Fall von Holz keine Belastung für die Umwelt darstellt.“ Zudem konnten die Mieter in den unteren Geschossen während des Baus dort wohnen bleiben und die Bauzeit gestaltete sich dank des hohen Vorfertigungsgrades übersichtlich.

Das Buch zum Wettbewerb

Die Publikation „Häuser des Jahres“ präsentiert die von einer Expertenjury ausgewählten 50 besten von Architekten geplanten Einfamilienhäuser im deutschsprachigen Raum. Die Häuser des Jahres 2021 werden in Text, Bild und mithilfe von Plänen ausführlich vorgestellt und gewähren so Einblick in 50 individuelle Planungsgeschichten von Architekten und Bauherren, die gemeinsam Wohn- und Lebens(t)räume realisiert haben.

Häuser des Jahres: Die besten Einfamilienhäuser 2021 

Udo Wachtveitl /Katharina Matzig 

320 Seiten, 450 farbige Abbildungen und Pläne 

23 x 30 cm, gebunden 

[D] 59,95; [A] 61,70; sFr. 80,00; ISBN 978-3-7667-2530-1 

haeuser-des-jahres.com

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